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Zootour Holland: Apenheul – der Affenwald

Mitten im Wald des Stadspark Berg en Bos, direkt am Rand von Apeldoorn, liegt einer der ungewöhnlichsten Zoos Europas: Apenheul. Das „Heul“ in Apenheul ist eine alte Bezeichnung für „Zufluchtsort“ und ein wenig kommt einem dieser Tierpark auch so vor, eher ein Zufluchtsort für die Tiere, in dem die Besucher zu Gast sind. Aber Apenheul hat auch mehr oder weniger klassische Gehege.

Die Idee eines Fotografen

Die Geschichte von Apenheul beginnt in den 1960er-Jahren mit dem Rotterdamer Fotografen Wim Mager. Aus reiner Liebhaberei kaufte er sich zwei Krallenaffen aus einer Zoohandlung – eine Entscheidung, die sein Leben verändern sollte. Mager war überzeugt: Tiere machen den Besuchern mehr Freude, wenn es den Tieren selbst gut geht. Statt Affen hinter Gittern zu zeigen, entwarf er große, naturnahe Waldgehege, in denen sich die Tiere frei bewegen können – mitten zwischen den Besuchern.
Im Unterschied zu klassischen Zoos, wie z.B. dem Kölner Zoo der sich seit 1860 mitten in der Stadt befindet und im Prinzip komplett neu angelegt wurde und seit dem nur noch umgebaut werden kann, liegt Apenheul in einem gewachsenen Wald in einem Park am Rande von Apeldoorn. Man hat also einen Zoo in einen bestehenden Wald gebaut. Das ist in der Form recht einzigartig.
Theoretisch könnte man den Zoo auch noch deutlich erweitern.

Am 12. Juli 1971 öffnete Apenheul erstmals seine Tore. Wollaffen, Krallenaffen und Klammeraffen streiften von Anfang an frei durch den Wald – Apenheul war damit weltweit der erste Zoo, in dem Affen ungehindert zwischen den Besuchern umherlaufen konnten. Ein Konzept, das es so zuvor nirgendwo gab und das den Park schnell bei Besuchern wie bei Primatenforschern bekannt machte.

Meilensteine über die Jahrzehnte

Ab 1976 zogen die ersten Gorillas ein, und 1979 kam das erste Gorillababy des Parks zur Welt – erst das zweite in Gefangenschaft geborene Gorillababy der Niederlande und das dritte weltweit. 1981 zerstörte ein verheerender Brand ein Gehege und kostete zahlreichen Tieren das Leben; der Park wurde danach wieder aufgebaut.
In den 1980er- und 1990er-Jahren gelang Apenheul mit der Auswilderung von Goldenen Löwenäffchen in Brasilien ein bedeutender Erfolg für den Artenschutz – eine Premiere unter niederländischen Zoos. 1994 gründete der Park den Apenheul Primate Conservation Trust, der sich weltweit für den Schutz von Primaten einsetzt. In den späten 1990er-Jahren kamen mit eigens gestalteten Anlagen auch Bonobos und Orang-Utans hinzu.

Wim Mager, der Gründer, starb 2008 im Alter von 67 Jahren – sein Lebenswerk aber lebt weiter: Heute leben in Apenheul mehr als 30 Primatenarten unter insgesamt rund 70 Tierarten, und der Park zählt jährlich etwa 500.000 Besucher.

Was Apenheul bis heute besonders macht, ist genau jenes Grundprinzip von Wim Mager: kein Zoo im klassischen Sinn, sondern ein Waldstück, das den Tieren gehört – und in dem man als Besucher, wenn man Glück hat, einem neugierigen Totenkopfäffchen oder einem gemächlich vorbeischlendernden Gorilla begegnet – oder eben auch nicht.
Mehrfach hörten wir deutlich mehr von den Bewohnern, als wir sahen. Man muss sich Zeit nehmen und auch ein wenig Glück haben. Und schnell sein. Vor allem wenn man gute Bilder machen will. So war Apenheul auch meine bisher größte Herausforderung mit der geringsten Ausbeute an schönen Bildern. Ich war oft einfach zu langsam und/oder nicht erfahren genug.
Aber ein paar schöne Bilder waren dann doch noch dabei.

Auf dem Weg vom Parkplatz zum Eingang durchquert man den Park entlag eines Teiches und zahlreichen Schildern, die einen auf den Zoo der etwas anderen Art einstimmen. Vor allem die Regeln, die es zu beachten gibt werden immer und immer wieder aufgezeigt. Und das ist auch nötig, denn scheinbar wissen es dann einige Zoobesucher doch wieder besser…

Direkt hinter dem Eingang muss man alle mitgebrachten Lebensmittel in affensichere Taschen umpacken die man kostenlos dort zur Verfügung gestellt bekommt. Zudem gibt es Schließfächer für 1 Euro Pfand – also kostenlos – in dem man das eine oder andere einschließen kann, was man eventuell doch nicht braucht, so wie ich meine Jacke. Denn es war doch wieder deutlich schöner und wärmer als angesagt und gedacht. Aber es gibt schlimmerers.
Der Weg führt einen dann weiter zu einerm weiteren Tor, besetzt mit Zoopersonal, dass dann nochmal kontrolliert, ob man sich dann auch an die Regeln gehalten hat und nix zu futtern irgendwo außerhalb der affensicheren Tasche mitgeführt wird.

Wir hatten und konnten passieren. Im Anschluss kommt man dann recht unmittelbar in einen Teil des Waldes, in dem verschiedene Affen frei rumlaufen, bzw. klettern. Als erstes entdeckt man die Totenkopfäffchen – in Wirklichkeit entdecken die Totenkopfäffchen die neuen Besucher – und kann sich an den flinken Kletterern erfreuen.

Einer der Affen kontrollierte die Arbeit des Aufpassers am Tor akribisch und haute mit einem Schokoladenpapier aus dem Kinderwagen ab.
Die Warungen sind dann wohl doch nicht ganz so unsinnig, oder?

Auf jeden Fall waren die Biester richtig fix unterwegs!

In den Bäumen drumherum hörte man, teils ohrenbetäubend laut, dass dort doch eine ganze Menge Bewohner unterwegs sein mussten und tatsächlich teilte uns das vor Ort überall reichlich vorhandene, sehr kompetente Personal mit, dass in dem Bereich über 80 Tiere untergebracht seien.
Trotzdem musste man manchmal schon genau gucken wo sich wer versteckte. Und ohne Tele war da auch nix mit Bildern.

Im nächsten Teil des Zoos läuft man dann zwar sehr nah daran vorbei, aber nicht mehr komplett durch das Gehege. Die Bewohner sind auch ein wenig größer und auch eher fauler. Für ein schönes Bild durchaus angenehm.

Im nächsten Bereich läuft man wieder mitten durch. Im Prinzip wechselt sich das auch so ab. Und, klar, durch z.B. das Gehege der Gorillas kann und möchte man auch nicht durchlaufen können. Es war unglaublich zu beobachten welche Kräfte schon die kleinen Äffchen haben, da kann ich auf eine Begegnung mit einem Silberrücken getrost verzichten. Es reicht völlig diese aus der Ferne zu beobachten.

Im Wald sind sehr viele Bachläufe und Teiche angelegt worden um z.B. die Gehege zu trennen. Dabei kommt dem Besucher das zu keinem Zeitpunkt künstlich vor. Alles sieht aus, als wäre es nie anders gewesen. Die Holländer haben da ein echtes Händchen für sowas, das war mir schon im GaiaZoo so positiv aufgefallen.

Die Gehege sind teilweise riesig und man bekommt Bilder zu sehen, dass man fast vergessen kann, dass man sich in einem Zoo befindet.

Aber auch sonst war der Eindruck der Gehege wirklich toll. Ob im Gehege der Bonobos…

oder bei den Kapuziner- bzw. Bartaffen, die Gehege sind wirklich toll gemacht.

Ein einem, ihrer natürlichen Heimat recht gut nachgebautem, sehr größzügigen Gehege, fanden wir Berberaffen vor, die faul in der Sonne lagen und der gegenseitigen Körperpflege nachgingen. Auch hier konnte man mitten durch das Gehege gehen und die folgenden Aufnahmen hätte man auch mit einem Smartphone machen können, denn mann konnte sich unmittelbar vor den Felsen stellen. Ich dagegen musste wegen des Teles künstlich auf Abstand gehen…ja, so kann es einem in Apenheul dann auch gehen.

Es ist schon toll, wenn man in den Wald schaut und Affen sieht – oder man steht und schaut in die Ferne und plötzlich taucht in einem Meter Entfernung so ein winziger, aber sehr flinker Kaiserschnurrbarttamarin auf, guckt und verschwindet wieder.

Neben allerlei Geflügel leben auch ein paar Capybaras in Apenheul.

In im nächsten Gehege bei dem Hanuman-Languren war dann der Teufel los. Es gab was zu futtern und das löste das pure Chaos aus. Einigermaßen Ruhe kehrte erst wieder ein als sich alle zumindest einen kleinen Happen gesichert hatten.

Also Apenheul hat uns nicht zum letzten mal gesehen und war ein tolles Erlebnis, dass ich definitiv jedem ans Herz legen möchte!
Wir kommen wieder!

p.s. Irgendwann gibt es hoffentlich dann auch das Video dazu…