Reisen

Bergziegenmodus am Cap Dramont

Auf der Suche nach einer netten, optisch ansprechenden Betätigung fiel mir auf Google Maps ein Bereich an der Küste unterhalb von Agay auf, das Cap du Dramont. Ich gucke immer nach grün eingefärbten Teilen auf der Karte, denn es handelt sich meist um etwas, was uns gefallen könnte. Grün war der Bereich, am Wasser war er auch und es sollte gute Wege geben, so Komoot. Und zu allem Überfluss noch nen Parkplatz direkt davor. Was will man mehr?

Also los, runter zum Wasser nach Agay, ein wenig an der Küste entlang kam auch schon der Abzweig zum kostenlosen Parkplatz. Man glaubt es nicht. Also parken, Rucksack und los…

Das Cap du Dramont ist eigentlich der Inbegriff des Esterel im Kleinformat – ein Vorgebirge aus genau diesem roten Rhyolith-Gestein, das hier besonders eindrucksvoll ins Meer abfällt. Der Rundweg, meist als „Sentier du Cap Dramont“ bezeichnet, führt um das Sémaphore, einer noch aktiven Signalstation der Marine, vorbei, von der aus man einen der schönsten Rundblicke der ganzen Küste haben soll. Wir sind nicht bis ganz dorthin gelaufen, dazu später mehr.

Die meisten, die auf dem Parkplatz parkten, bogen nach links ab zum Strand. Wir boden nach rechts ab, Richtung Wanderweg, der einen einladenden Eindruck machte. Und auch die verschiedenen Aussichten, die sich uns boten, waren einfach nur schön.

Nun verschwand der Wanderweg ersteinmal im Wald. Wir hatten erst die Befürchtung den Weg verloren zu haben, aber es gab überall kleine Schilder im Wald, die den Weg kennzeichneten.

Der Weg wurde immer steiler und wir gewannen schnell an Höhe. Richtig wohl war mir nicht dabei, da mein Rücken seit zwei Tagen rumzickte und ich ein wenig Angst hatte, der Bergziegenmodus würde ihm den Rest geben. Denn eines war hier schon klar, ich würde mit einem Hexenschuss dort nie wieder runter kommen.

Aber die Aussicht war jeden Meter wert.
Auch wenn es im Großen und Ganzen bergauf ging, so mussten wir auch immer wieder kurze Stücke den Berg hinunter steigen, was ich persönlich schwieriger finde. Vor uns kämpften sind vier Franzosen den Berg hinauf und ich fand das schon ganz gut, denn die waren einen Tick älter, wenn auch offensichtlich deutlich erfahrener was das Wandern in den Bergen anbetraf und motivierten mich nach dem Motto: „Was die können, kannst du auch!“

Unterwegs machten wir immer wieder Bilder und genossen die Aussicht.

An einem besonders schönen Fotoplatz trafen wir wieder auf die Franzosen, die uns anboten ein Bild von uns zu machen, was ich nun auch als Beiweis habe, das ich meinen Körper da hochgeschleppt habe.

Unsere französische Vorausmanschaft schlug im weiteren Verlauf plötzlich einen anderen Weg ein und bog scharf rechts ab, den Berg steil hinauf und wir dachten, die wollen zum Sémaphore. Auf der Karte war eigentlich nicht wirklich ein Weg zu erkennen. Da mein Rücken mir mittlerweile recht deutlich zu verstehen gab, dass er für „Entspannung“ nach Frankreich gereist sei und ich mit den Konsequenzen leben müsse, sollte ich weiter seine Wünsche derart mit Füßen treten, schlossen wir uns den Franzosen an und nahmen eine Abkürzung. Zwar ging es kurz und heftig bergauf, aber man erreichte dann den (mehr oder weniger) asphaltierten Weg, der zum Sémaphore hinauf führt. Von dort aus konnten wir dann gemütlich den Berg wieder hinuntersteigen und zum Parkplatz gelangen.

Wären wir den Weg weiter gegangen, hätten wir noch die Île d’Or sehen können, die direkt vor dem Kap liegt. Die kleine, unbewohnte Île d’Or – das „goldene Inselchen“ mit dem markanten Turm, der wie eine Miniaturburg aussieht. Der Turm wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einem exzentrischen Privatbesitzer im neo-sarazenischen Stil errichtet, angeblich inspiriert von ähnlichen Wachtürmen entlang der Küste. Bekannt wurde sie über die Region hinaus, weil sie als Vorlage für die Insel in Hergés Tim-und-Struppi-Album „Der schwarze Pirat“ (frz. „L’Île Noire“) gedient haben soll – ein netter Insider-Fakt, den viele Franzosen kennen.
Eigentlich wollten den Weg an einem anderen Tag nochmals und dann komplett gehen, doch die Hitzewelle machte uns einen Strich durch die Rechnung.