Tag: 7. September 2019

AIDAprima – Tag2: 1 Seetag

Der erste Seetag. Die Kabine hat Wort gehalten und hat uns eine schöne Nacht beschert. 
Die frische Luft auf See, das Rauschen des Meeres…ahhh.
Die Aussicht ist genial. Das Meer zieht einen geradezu in einen Bann. Das ist der Teil den ich besonders mag. Meer, Wasser, das ist mein Ding. Einfach nur schön.

Leider stellt sich mehr und mehr heraus, das die Kabine wohl der einzige ruhige Ort an Bord ist.
Das ganze Schiff ist randvoll mit Menschen. So haben wir uns das nicht vorgestellt. 
Das viel los ist, ja, ok, so wie auf der ColorFantasy damals auf dem Weg nach Norwegen. Viele Menschen, aber es „verläuft“ sich. 
Hier aber Fehlanzeige. Alles ist brechend voll. Keine Meter ohne Schlangen, nichts ohne anstehen. 
Wie am 4 Advent auf der Schildergasse. Gruselig. 
Ein ruhiger Platz auf Deck? Ein ruhiger Platz im Schiff? Gibt es nicht!
In meinen Augen ist das Schiff leider zu min 30% überbelegt.

Um uns keine Gedanken um Kosten bei den Getränken zu machen buchten wir das Getränkepaket „Comfort“ das alles bis auf alkoholische Cocktails enthält. Allerdings ist „alles“ bei AIDA anders definiert. 
Die Flasche Wasser für die Kabine, der nicht Tischwein beim Essen etc., all diese Dinge sind eben nicht „alles“ und müssen extra bezahlt werden.
Kaffee, Espresso etc. sind zwar enthalten, aber nicht zu bekommen – zumindest nicht am Morgen.
Da gibt es nur halbkalten Kaffee auf Jugendherbergsniveau von 1980.
Mal entspannt am Vormittag nen Espresso? NOPE! Nicht zu bekommen. 
Alles in allem kann ich nun verstehen, warum viele sagen das sich die Getränkepakete bei AIDA nicht lohnen. Um es vorweg zu nehmen: Wir haben 100€ mehr für das Paket bezahlt, als wir tatsächlich konsumiert haben. 

Restaurantbesuche sind der nächste Horror. Es gibt definitiv viel zu wenig Plätze für all die Leute. Egal zu welcher Zeit man Essen möchte, einen Platz zu finden ist schwer bis unmöglich.
Ausnahme: Das Fuego auf Deck14. 
Da gibt es allerdings auch nur Pizza, Pasta, Burger und Salat. 
Mehr Auswahl ist dort nicht vorhanden. Ein Restaurant für Kinder und deren Anhänge. 
Aber wenigstens nicht immer überfüllt. Die anderen Restaurants bieten sehr viel mehr. Nur bekommt man dort nur durch Zufall einen Platz, es sei denn man stellt sich um 17.30Uhr an, um um 18.00Uhr ins Restaurant zu gehen. 
NIEMALS WERDE ICH SO ETWAS TUN. UND WENN ICH VERHUNGERN MUSS. ( was zugegeben etwas dauern sollte ) 

Was man aber bei jeder Gelegenheit und vor allem bei jeden Restaurantbesuch umsonst bekommt ist ein Spritzer Desinfektionsmittel auf die Hände.
Als ausgebildeter Hygieneberater finde ich sowas bestenfalls „süß“.
Da glauben doch tatsächlich Menschen, sie könnten eine Infektion mit z.B. Noroviren dadurch verhindern. LOL
Eine gründliche Reinigung der Hände mit Wasser und Seife ist sicherlich die beste Vorsorge gegen Infektionen, aber wenn schon Desi , dann muss zum einen das Desi auch richtig verrieben und eine gewisse Einwirkzeit eingehalten werden und zum zweiten nutzt das alles nix, wenn die Restaurantkraft mit ein und dem selben Lappen 20 Tische, die Ablagen und das Buffet reinigt. 
Hygienisches Reinigen sieht anders aus!

Lustig bei den anderen Restaurants ist auch, daß sehr viele der Besucher besser ins „Fuego“ gegangen wären, dann hätten sie mit der Speisenauswahl wenigstens etwas anfangen können. 
Vitello Tonnato – ein Traum – bäh, Fleisch mit Fischsoße!
Ach, ich könnte noch drei Seiten weiter schreiben, ob Kalbsleber, diverser Fisch etc. Wat der Bur nich kennt dat frisst er nicht. 
Aber der Tischwein, Marke Kostenlos, wird auch gerne Literweise zum Nudelgericht getrunken. Klar, entweder man bekommt sonst nix oder muss bezahlen. 
Überhaupt ist das Benehmen vieler Gäste unter aller Sau. 
Wir sind weder Schlipsträger noch sonst irgendwie affektiert, aber so ein ganz kleines bisschen Erziehung haben wir nicht nur bekommen, sondern auch behalten. 
Das gilt im Übrigen auch für den Umgang mit dem Personal. 
Auf dem Schiff arbeiten zu 90% Thai zu Bedingungen die in Deutschland umgehend einen Eingriff des Zolls zur Folge hätten aufgrund massiver Verstöße gegen das Arbeitsschutzgesetz. 
12-14h Schichten, Tag für Tag und ich behaupte jetzt mal das der Mindestlohn dabei wohl nicht gezahlt wird. Daher auch keine deutsche Flagge. 
Die Prima fährt unter italienischer Flagge. Schon interessant warum sowas in der EU möglich ist. 
Diese Ausbeutung des Bordpersonals hat mir als Gast ständig Unbehagen verursacht. Für mich ein Grund solch eine Reise nicht mehr zu machen. 
Der Seetag war, wie man wohl lesen kann, nicht die reine Freude. 
Viele negative Dinge sind vor allem an diesem Tag sofort und nachhaltig aufgefallen. 
Schade. 

AIDAprima – Tag1: Anreise und Einschiffung

Einer der Heimathäfen der AIDA ist Kiel und von dort ging auch unsere Reise los. 
Das bedeutete natürlich das wir uns zunächst auch nach Kiel begeben mussten. Auto oder Bahn? Eine nicht ganz einfache Entscheidung. Mit dem Auto wäre es sicherlich bequemer, unterm Strich aber etwas teurer, da zum Sprit ja noch die Parkgebühren in Kiel kämen.
Auch wenn das „PortParking“ sehr bequem und damit unglaublich verlockend klingt, entschieden wir uns doch für die Bahn. 
Ein durchgehenden Zug, das wollte ich dann aber doch und derer fuhren an diesem Samstag zwei. Einer ziemlich früh, gegen 6 und einer zu spät.
Also den frühen Zug gebucht, inklusive zweier Sitzplatzreservierungen – ein Schachzug den man bei der Bahn generell nicht bereut. 
Beruhigend dabei war, sollten wir den Zug verpassen, hätten wir noch 3 weitere Züge nehmen können, dann aber mit Umsteigen und wären immer noch rechtzeitig vor dem Ablegen vor Ort.

Die Abholung von zu Hause und die Fahrt zum Hauptbahnhof per Taxi klappten einwandfrei, ja eigentlich sogar zu gut
Der Fahrer hatte zu dieser frühen Stunde wohl genauere Informationen wo sich die Polizei versteckt, denn knappe 100km/h in der Ortschaft – das macht man nicht lange ohne Konsequenzen. Dazu noch grüne Welle und nach etwas über 10min waren wir am HBF.
Einen sehr gemütlichen Kaffee trinken und wegbringen war dadurch natürlich locker drin. 
Irritierend war dann nur die Anzeige für unseren Zug. Köln HBF nach Hamburg-Altonar. Hmm. Kiel HBF sollte dranstehen. 
Nachgefragt: „Nee, der fährt bis nach Kiel“. Ok, alles gut.
Auf dem Bahnsteig dann die Durchsage:“Der Zug fährt heute nur bis Hamburg“ – keine Begründung, nix. Is ja auch nicht so wichtig. 
Der Tag war noch keine 3 Stunden alt und ich hatte das erste Mal die Schnauze voll. 
Im Laufe der Fahrt wurde diese Ansage dann noch zwei mal wiederholt um dann kurz vor Hamburg widerrufen zu werden.
Ja, die Deutsche Bahn strotzt nur so vor Kundenorientierung und Professionalität! Aber egal, wenigstens nun doch nicht umsteigen müssen. 
In Kiel angekommen – der Hauptbahnhof liegt im Prinzip direkt am Kai – suchten wir einen Hinweis wie es denn nun wohl weiter gehen könnte. Schilder? Fehlanzeige. Kommen ja auch nur ca. 70% der Kreuzfahrer mit der Bahn. Dafür lohnen ein paar Pappschilder ja auch nicht. 
Also Ausschau halten wo es wuselt. Um die Ecke wuselte es enorm und dort konnten wir dann das Gepäck abgeben und in den Shuttlebus steigen der uns dann direkt zum Schiff brachte. 
Der Zustand des Busses war allerdings sehr fragwürdig. Nur zur Erklärung: Die hellen Stellen sind das Gewebe der Karkasse. Sollte man bei keinem Reifen zu keiner Zeit sehen können. Und auf dem Bild sind nur 2 kleine Stellen zu sehen. Der Reifen sah aber rundum so aus. 

Solche Reifen gehören auf kein Fahrzeug, nicht mal auf ne Schubkarre, aber vor allem nicht auf Fahrzeuge, die Menschen befördern.

Das ist mal ein amtliches Böötchen, oder?

Das Schiff, die AIDAPrima, das erste Schiff der neuen Hyperion-Klasse ist unglaublich groß, 300 Meter lang und 37,6 Meter breit mit über 1643 Kabinen und 17 Decks und einer Bruttoraumzahl von 124100 GT.
Ich glaube echt, dass es in Deutschland Dörfer gibt die weniger Grundfläche haben als dieses Schiff.

Als wir das Terminal betraten wussten wir Beide, was wir an Pauschalreisen (unter anderem) so hassen: Schlange stehen!
Im Prinzip wurde man mit Absperrungen im ZickZack durch das Terminal geschleust. Immer schön in der Reihe…
Irgendwann ging es dann aber endlich die Gangway hinauf und rein ins Schiff. Auf Deck 14 lag unsere Kabine, also erstmal zum Aufzug und Schlange stehen um mit einem der Aufzüge nach Oben zu kommen.

Grundriss Balkonkabine

Grundriss Balkonkabine; Quelle: AIDA

Die Kabine, eine Balkonkabine, war dann aber eine positive Überraschung.

Blick auf den Balkon

Geräumig und sehr schön gestaltet, ausgestattet mit recht ansehnlichen TV, der neben seiner Grundfunktion auch ein schiffseigenes Infosystem bietet über das man von der Bordrechnung über den Tagesplaner bis zur Ausleihe für Kinofilme kommt.

Auch das Badezimmer mit Dusche ist geräumig und von sehr guter Qualität.
Erstmal ankommen und runterkommen.

Hängematte – ist das nicht perfekt zum chillen?

Eine Hängematte auf dem Balkon ist da genau das Richtige!

Dann irgendwann Umziehen und mal was Essen gehen. Wir wählten das „Fuego“, ein einfaches Restaurant was aber zufällig auf unserem Deck lag. 
Lang wurde der Abend nicht mehr, wir waren echt geschafft. 

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